Jugendworkcamp in Gatschina

Projektbericht über das Internationale Jugendworkcamp in Gatschina/Russland vom 31.07-15.08.2004

 Wie schon im letzten Jahr stand auch das diesjährige Jugendworkcamp unter Motto „Russland erleben“ und sollte deutschen Jugendlichen Russland näher bringen.  So lagen die Schwerpunkte des Workcamps wie auch in den vorangegangenen Camps- in den Bereichen:  Arbeitsleben, Begegnungen, Sprache, Kultur – Kunst – Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Typisch Russisch – Feste feiern.

Mit der Organisation vor Ort wurde aufbauend auf diesen Schwerpunkten ein vielseitiges Programm, das natürlich bei der konkreten Umsetzung noch  Änderungen unterworfen war, entworfen.  Die Gruppe des diesjährigen Jugendworkcamps bestand neben den 10 deutschen Teilnehmern aus vier Teilnehmern aus Weißrussland, welche das Camp im Ganzen betrachtet sehr bereicherten.  Im Folgenden soll nun anhand der oben genannten Schwerpunkte die Durchführung näher beschrieben werden.  Da das Camp insgesamt mehr auf Begegnungen mit Menschen und auf  Kultur ausgelegt war, arbeiteten wir nur an sechs Tagen für jeweils drei bis vier Stunden.  Die Gruppe war fast immer gemeinsam tätig, dafür an verschiedenen Orten. Die ersten Arbeitseinsätze fanden im Park des Palastes von Gatschina statt. Dort mussten Wege freigelegt  werden, Grünflächen gemäht, von Unkraut und Bärenklau befreit und Hecken beschnitten werden.  Einige der Arbeitseinsätze fanden im Palast statt.  Dort gingen wir einem russischen Holzrestaurator mit kleinen Hilfsarbeiten wie Türen oder Holzskulpturen abschleifen zur Hand.

 Uns wurde schnell klar, dass unsere Arbeit eher symbolischer Natur war und nicht wirklich dringend gebraucht wurde, Schließlich konnten wir nur einen sehr kleinen Teil des Parkes in Ordnung bringen. Auch wenn die uns zugeteilte Arbeit uns dadurch zeitweise etwas sinnlos erschien und wir gern an einem größeren Projekt mit sichtbaren Abschluss gearbeitet hätten, so sahen wir unsere Tätigkeit doch als nicht alltägliche Gelegenheit, Einblick in russisches Leben und in russischen Arbeitsalltag zu erlangen.  Besonders während unserer Einsätze im Palast war es uns möglich, die Arbeit von russischen Restauratoren aus nächster Nähe kennenzulernen und viele Dinge und Menschen zu sehen, die man als normaler Tourist eher selten zu Gesicht bekommt. Im Ganzen betrachtet hat uns die Arbeit viel Spaß  gemacht.  Von einigen Teilnehmern wurde allerdings auch der Wunsch geäußert, in Zukunft die Arbeit eher auf den sozialen Schwerpunkt zu verlagern und so beispielsweise mit den Kindern des Gatschinaer Kinderheimes oder im Jugendferienlager Korpisalovo tätig zu sein.  Wertvolle Erlebnisse einer Reise sind immer die Begegnungen mit anderen Menschen.  Wir begegneten vielen sehr unterschiedlichen Menschen.  Zum Teil waren diese Begegnungen organisiert, zum Teil spontan.  Einige lernte man näher kennen, mit anderen hatte man nur kurzen Kontakt.  Doch jede Begegnung war ein wertvoller Moment.

Die meiste Zeit verbrachten wir mit unserer Organisatorin vor Ort: Martina Muchina, sowie Juri, Mitarbeiter im Gatschinaer Palast und ein Freund von ihr.  Marina war von Anfang an sehr herzlich und schnell wurde klar, dass man mit jedem Problem zu ihr kommen konnte.  Juri erfreute uns alle durch seine zahlreichen Erzählungen, so zum Beispiel zur Geschichte Russlands oder des Gatschinaer Palastes und war gern bereit,  unsere Wartezeiten vor Eremitage oder Bernsteinzimmer durch seine Kontakte Museumswärtern und Einlassern zu verkürzen.

 Boris Feting, bei dem einige der Teilnehmer wohnten, nahm uns mit in das Jugendferienlager Korpisalovo, wo wir einen Nachmittag mit den dort einen Teil ihrer Ferien verbringenden Kindern und Jugendlichen verbrachten. Dort erklärte uns Boris den Aufbau des Lagers, zeigte uns, wofür die Spendengelder der vergangenen Workcamps verwendet wurden und  sprach über gegenwärtige Probleme und zukünftige Pläne. Boris lud die Gruppe auch mehrmals in seine Holzhütte zum Grillen ein, Auch unseren letzten Abend verbrachten wir in Boris’ Garten.  Marina Muchina hatte für uns einige Begegnungen mit interessanten Menschen und Einrichtungen organisiert.  So besuchten wir an einem Nachmittag das Jugendzentrum Gatscliinas, wo uns ein dort arbeitender Russe auf Englisch über Arbeit und Projekte der Einrichtung aufklärte.

An einem anderen Nachmittag besichtigten wir das Jugend- und Begegnungszentrum „Don Bosko“, eine Einrichtung des italienischen Salesienserordens. Dort wurden wir von Pater Don Guiseppe, einem aus Italien stammenden Mitarbeiter des Ordens, über die Arbeit des Zentrums informiert und herumgeführt.

 Mit Boris Feting zusammen fuhren wir an einem Vormittag ins Gastchinaer Kinderheim, um der Leiterin von uns mitgebrachte kleinere Sachspenden für die Kinder zu übergeben.  Neben diesen „offiziellen“ Kontakten machten wir auch oft zufällige Bekanntschaften mit Russen in Gatschina und St. Petersburg, so zum Beispiel in der Disko, auf der Strasse oder in der Kneipe.  In den meisten Fällen brachten uns die Russen viel Gastfreundlichkeit, Neugier und Interesse entgegen.

 Eine große Bereicherung für unsere Gruppe waren zweifellos unsere vier weißrussischen Gäste.  Wir wohnten jeweils in gemischten Wohngemeinschaften und kamen daher schnell in Kontakt.  Die Kommunikation lief nur auf Russisch ab, was der Integration der Weißrussen aber keinen Abbruch tat, denn auch wenn wir alle noch relativ wenig Russisch sprachen, war es immer möglich, sich zu verständigen.

 Als ein wenig nachteilig erwiesen sich leider unsere noch relativ geringen Kenntnisse der russischen Sprache.  Die meisten von uns besaßen ein Russisch – Niveau von etwa zwei bis drei Unterrichtsjahren.  Dies reichte problemlos aus, um sich zu verständigen, einzukaufen oder andere einfache Dinge zu klären, doch war es uns beispielsweise schwer, immer den schnellen Ausführungen Juris zur russischen Geschichte zu folgen oder sich über kompliziertere Themen mit Russen zu unterhalten.  Dies ist wohl aber völlig normal, wenn man zum ersten Mal in Russland ist und motiviert zweifellos, sich noch eingehender mit dem Studium der Russischen Sprache zu beschäftigen.  Ausgehend von mir selbst glaube ich sagen zu können, dass die meisten von uns in den zwei Wochen ihr Russisch deutlich verbessern konnten, besonders was hörendes Verstehen, Mut zum Sprechen sowie Gefühl für die Sprache angeht.

 Russisches Leben und Kultur erlebten wir schon allein dadurch hautnah, dass wir in Gastfamilien wohnten. So erfuhr jeder von uns wie ganz normale russische Bürger leben.  Ob beim Einkaufen auf dem Markt, beim Schlendern durch die Strassen von Gatschina oder einfach beim täglichen Einkauf in den Minimärkten: Wir konnten das „Russische Leben“ nicht nur aus Touristensicht erfahren, sondern selbst erleben und Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern entdecken.  Unübersehbar war dabei auch die Differenz zwischen Gatschina als einer „authentischen“, nicht-touristischen russischen Stadt, und einer eher westlichen Großstadt wie St. Petersburg in der man sich doch an manchen Stellen eher wie in einem Museum als in einem bewohnten Viertel vorkommt.

Wie viele Gruppen vor uns, besuchten auch wir den Maler Monachow in seinem Holzhaus und schauten uns seine interessante und vielseitige Ausstellung an. Doch auch bei den zahlreichen Ausflügen nach St. Petersburg und zu den umliegenden Zarenschlössern konnten wir viele Kunstwerke bewundern, so zum Beispiel in der Eremitage.  Dank der

Sammelleidenschaft Katharinas der Großen befinden sich hier unzählige Gemälde und andere Kunstwerke der berühmtesten europäischen Künstler. Ebenso konnten wir im Katharinenpalast in Zarskoje Sjelo das restaurierte Bernsteinzimmer bewundern und in Peterhof den wunderschön gestalteten Garten mit den zahlreichen Skulpturen und Fontänen.  Neben diesen herausragenden Kunstschätzen wurden wir auch ein wenig mit der Kunst der orthodoxen Kirchen vertraut gemacht, so zum Beispiel in einem Rundgang durch die Kirchen Gatschinas, in denen wir über Ikonen, Ikonenmalerei und Liturgie sprachen.

Wie schon aus den anderen Absätzen und dem Programm im Anhang hervorgeht, hatten wir die Gelegenheit, viele berühmte Sehenswürdigkeiten in und um St. Petersburg zu besichtigen.  Besonders beeindruckend waren dabei der Besuch der Eremitage, der Zarenpaläste in Zarskoje Sjelo (bzw.  Puschkin) und Peterhof, sowie unser ganztätiger Ausflug nach Novgorod.  Individuell besuchten die meisten von uns eine Reihe von weiteren Sehenswürdigkeiten in St. Petersburg: Russisches Museum, Historisches Museum, Kasaner Kathedrale, Isaakskathedrale, Versöhnungskirche, Peter-und-Paul Festung, Panzerkreuzer Aurora u.v.m.

Die schönsten Abende unseres Russlandaufenthaltes verbrachten wir gemeinsam in den unterschiedlichen Wohnungen, oder bei Boris in der Holzhütte.  Oft kochten wir russische  Gerichte oder wurden von unseren weißrussischen Freunden typisch weißrussisch bekocht.  Unseren letzten Abend verbrachten wir bei Boris im Garten, wo wir, wie an bereits an anderen Abenden zuvor Schaschlik grillten, am Lagerfeuer saßen, Musik hörten und uns unterhielten.  Zu unserem Abschiedsabend luden wir auch Marina und Juri ein.

 Wie im letzten Jahr wurde das Projekt durch die Gesellschaft „Sachsen – Osteuropa e.V geplant und organisiert.

 Die Realisierung des Projektes war nur dank der Förderung durch die Stiftung West-Östliche Begegnungen möglich.  Neben den von der Stiftung erhaltenen Fördermitteln brachten die Teilnehmer einen Eigenanteil von jeweils 300 Euro auf.

 Leider konnten wir nicht erfahren ob unser Kommen vorher in Gatschina in Presse oder Rundfunk erwähnt wurde.  Bei einem unserer Arbeitseinsätze im Gatschinaer Palast war eine Vertreterin der Lokalpresse anwesend.  Die von ihr gemachten Fotos waren im Internet zu sehen unter www.gatchina.ru.

 Zweifellos ist es wünschenswert, dass das Workcamp auch im nächsten Jahr wieder stattfinden kann.  Die besonnene Arbeit sollte in jedem Fall fortgeführt werden und die Kontakte zu den Organisatoren auf russischer Seite, besonders zu Marina Muchina lind Boris Feting intensiviert werden.

 Verständlicherweise ist die Durchführung weiterer Jugend-Workcamps in Gatschina – wie in diesem und in den vergangenen Jahren- nur bei Erhalt der entsprechender Fördermittel möglich.

 Das Motto des Camps, „Russland erleben“, sollte beibehalten werden, damit auch in Zukunft deutschen Jugendlichen und Erwachsenen ein derart naher und familiärer Einblick in das russische Leben ermöglicht werden kann.  Die wichtigsten Aspekte bei diesem angestrebten „untouristischen“ Erleben des Landes sind das Wohnen in Gastfamilien, die Arbeit (möglichst mit Russen zusammen) und die ( in erster Linie vor Ort organisierte) Begegnung mit Einheimischen.

 Heidi Ankermann, Katharina Kramer, Sebastian Prüfer (gekürzt)

Treffpunkt Lenin

 

Wenn ich nach meinen Sommerbeschäftigungen befragt werde, rutscht mir immer wieder zuerst „St.  Petersburg“ heraus.  Wer in Deutschland kennt schon Gatschina?  Das ist zunächst nicht verwerflich.  Allerdings schon, wenn dann jemand meint, jetzt kenne ich also auch Russland.  St. Petersburg ist nicht gleich Russland.  Es ist ein Bruchteil und zwar ein so  „westeuropäischer“, dass er sicher nicht für ein Land solcher Größe als repräsentativ, sondern eher als interessantes -und zweifellos sehr schönes- Phänomen betrachtet werden muss.  Zwar verbrachten wir viele Nachmittage in „Pieter“, besuchten die -roßen Zarenresidenzen in Zarskoje Sjelo und Peterhof, ließen uns stundenlang durch die Eremitage, das Russische Museum oder über den Newskij-Prospekt treiben und doch ist es nicht das, was sich mir am eindrücklichsten eingeprägt hat.  Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich interessiere mich für Kunst und Kultur, schlitterte beeindruckt von einem Prunksaal zum nächsten, ließ die pompösen Bauten auf mich wirken, versuchte die allgegenwärtigen Touristenmassen auszublenden, mir die ursprüngliche Wirkung vorzustellen und verbrachte Stunden im Winterpalast, besonders vor da Vinci, EI Greco, Canova, Malewitsch oder den Impressionisten.  Und doch: all das hat sich eher in mein intellektuelles, weniger in mein persönliches  gefühlsmäßiges Gedächtnis eingegraben.

  

Wenn ich heute an die Reise denke. fallen mir ganz andere Bilder ein: Gatschina, das dortige -noch nicht zum Disneyland restaurierte- Schloss der Blick aus unserer Plattenbauwohnung; das mechanische Türschloss des Blocks; die zerfallenen Brücken im Park, die wohl nur noch aus Gewohnheit halten; die Leninstatue im Zentrum, die uns als Treffpunkt und Bushattestelle fungierte; die harten Bänke der Elektritschka oder das Essen im Dubok.  Außerdem Menschen: Marina, die mit großen Schritten und einem fröhlichen „Katjuscha!“ auf uns zueilt; Juri, der redet und redet und redet, auch wenn ich beim Russisch kaum mehr  als das Thema des „Gesprächs“ mitbekomme; Boris, in der einen Hand die obligatorische Zigarette, in der anderen das Ofenrohr des Samowars; Viktor, der behauptet, er wäre die eigentliche und einzige Sehenswürdigkeit Gatschinas; Gennadij in der Kirche; natürlich die ganze Gruppe beim gemeinsamen Picknick, beim Trockenfischessen oder Wodkatrinken aber auch die Kinder, die morgens im Treppenhaus liegen, schlafen, den Geruch von Klebstoff verbreiten.  Am wertvollsten sind mir jedoch die Erinnerungen an die Kirchen.  Ob Pokrovskij-Sobor oder Pavlovskij-Kirche in Gatschina, das Alexander-Newski-Kloster in St. Petersburg, oder das in der Nähe von Pskov: nie zuvor hatte ich mich wirklich mit orthodoxem Glauben befasst.  Liturgie, Gerüche, Ikonen, Ikonostasen… – eben diese ganz andere Art des Gottesdienstes faszinierten mich am meisten.  Deshalb fand ich es zunächst auch etwas schade, dass nur die halbe Gruppe an der „Kirchentour“ durch Gatschina teilnehmen konnte.  Statt der Fahrt im Leichenwagen schloss ich mich jedoch dann dem kleinen Spaziergang mit Marina an: wir stiegen auf den Turm und in die Unterkirche der Pavlovskij-Sobor, sie erzählte über Ikonenmalerei, das orthodoxe Kreuz und die verschiedenen Heiligen. 1000 Impressionen.

Insgesamt fand ich damit die Mischung Arbeit, Sehenswürdigkeiten, Freizeit und Wohnen in „Gastfamilien“ optimal.  Die Aufteilung auf mehrere Wohnungen tat dem Gruppengefühl meiner Meinung nach keinen Abbruch und half uns sicher, die vier Weißrussinnen zu integrieren.  Ja. die Arbeit hätte manchmal effektiver organisiert werden und das Wetter besser sein können.  Die Wohnungen, in denen die Familien selbst gar nicht da waren, hätten vielleicht vorher auf ihre Tauglichkeit inspiziert und wir vor Viktor gewarnt werden sollen.  Aber gerade solche kleinen Unzulänglichkeiten machen eine Reise erst einmalig

 

Sabine Kramer

Teilnehmerin

Jugend-Workcamp Gatschina 2003

 

Vom 30. Juli bis 13. August 2000 führten fünfzehn Jugendliche aus Deutschland und acht sehbehinderte Jugendliche aus Russland das 4. Workcamp in Gattschina im Leningrader Gebiet durch. Die Teilnehmer der deutsch-russischen Jugendgruppe im Alter von 18 bis 26 Jahren halfen gemeinsam beim Wiederaufbau der russischorthodoxen Kirche „Pokrowski sobor“, bei der Sanierung des Waisenhauses/ des Internats und bei der Verschönerung des Schlossparks in Gattschina mit. Sie organisierten ein Kinderfest im Kindersommerlager bei der russischorthodoxen Kirche, und überbrachten den Kindern und der Kirchengemeinde humanitäre Hilfe.

In der Kirche wurden die bei den ersten Workcamps begonnenen Arbeiten gemeinsam mit Arbeitern und Jugendlichen aus Gattschina abgeschlossen. Ausgeführt wurden Betonarbeiten, entfernt wurde eine überflüssig gewordene Zwischenwand, Bretter wurden gestapelt, Müll abtransportiert, ein Garten und ein Weg im Kirchengelände angelegt. Im Waisenhaus wurden Hecken geschnitten, Blumenbeete gestaltet, Putzarbeiten ausgeführt und ein Weg freigelegt. Im Schloßpark von Gattschina haben die Jugendlichen bei der Verschönerung des verwilderten Parks mitgewirkt.

Die deutschen und russischen Jugendlichen haben gemeinsam mit den Kindern des Sommerlagers und Jugendlichen aus Gattschina Exkursionen zu Sehenswürdigkeiten im Gebiet unternommen. Es ging zur Mönchsinsel „Konewez“ im Lagodasee, zu einem Kloster in der Umgebung, nach St. Petersburg und Peterhof und zu vielen anderen Orten. Die Jugendgruppe organisierten ein Kinderfest, womit sie den russischen Kindern viel Freude bereitet. Die Teilnehmer des Workcamps haben Spielzeug, Schulsachen und Kleidung gespendet, Gesichtsmalfarben und Kostüme für ein buntes Treiben mitgebracht, gemeinsam mit den Kindern gespielt, getanzt und viel Spaß gehabt. Durch das gemeinsame Arbeiten und die gemeinsame Freizeitgestaltung erhielten die Jugendlichen gegenseitig Einblick in die Arbeits- und Lebensgewohnheiten. Man hat voneinander gelernt, die Geschichte und Kultur des Partnerlandes kennengelernt, vorhandene Sprachkenntnisse angewendet und vertieft. Die Aufgeschlossenheit der Jugendlichen ermöglichte es ihnen, während des gesamten Workcamps viele Bekanntschaften mit Einheimischen zu schließen. Die Jugendlichen haben in der Kirche Einblicke in das orthodoxe Glaubensbekenntnis erhalten, bei Treffen mit Künstlern aus Gattschina die russische Kultur kennen und lieben gelernt. Das gilt besonders für die zehn deutschen Teilnehmer, die zum ersten Mal in Rußland waren.

Die Jugendlichen wurden aber auch mit den schwarzen Tagen der deutsch-russischen Beziehungen konfrontiert. Gattschina befand sich im Belagerungsring der faschistischen Truppen um Leningrad. Sie mußten sich in vielen Gesprächen mit der traurigen Erinnerung an diese Zeit auseinandersetzen, wobei die Versöhnung im Vordergrund stand. Sehr bedrückend für die deutschen Jugendlichen war die Armut der Bevölkerung, vor allem die der alten Menschen, die bescheidenen Lebensverhältnisse, der Gegensatz zwischen Arm und Reich. Mit einem festlichen Gottesdienst des Kirchenältesten Erzpriester Vater Michail dankten die Kirchengemeinde, die Bevölkerung und die Kinder der deutschrussischen Jugendgruppe für ihre Arbeit, ihre Anteilnahme, ihre Hilfe. Beide Seiten waren sich darin einig, sich auch in den kommenden Jahren auf weiteren Jugend-Workcamps zu treffen, wenn die finanziellen Voraussetzungen dafür geschaffen werden können. Das Jugend-Workcamp 2000 wurde von der Robert Bosch Stiftung gefördert und ermöglicht. 

Dr. Günter Ertel, Gesellschaft Sachsen-Osteuropa