Woche der deutschen Kultur in Gatschina

Reise vom 21.-30.09.2002

 

Am Samstag, 21.09. startete unsere kleine Gruppe aus Ettlingen zum Besuch der „Woche der deutschen Kultur“ vom Frankfurter Flughafen und landete nach 2 Stunden Flug in St. Petersburg kurz nach 18 Uhr Ortszeit. Die Zoll- und Visumformalitäten waren rasch abgewickelt und wir wurden von einer Delegation der Russisch Deutschen Gesellschaft unter Leitung des Vorsitzenden Vladimir Maier empfangen. Mit dem vereinseigenen Kleinbus (gestiftet von der Firma Stoppanski und der Stadt Ettlingen) erreichten wir nach ½ Stunde die Partnerstadt Gatschina. Im Hotel Akademitschkaja wurde uns ein freundlicher Empfang mit Imbiss  und Umtrunk bereitet und wir bekamen einen ersten Eindruck von der russischen Gastfreundschaft. Das Programm für die folgenden Tage wurde uns überreicht und enthielt alle unsere Wünsche.

 Sonntag, 22.09.: Nach dem Frühstück im Hotel wurden wir von unserer Dolmetscherin und einer Reiseführerin zum Stadtrundgang mit Besuch des Schlosses und der Parkanlagen abgeholt. An diesem Tag gab es  in der Fußgängerzone insbesondere für Kinder viele Attraktionen und am Nachmittag fanden Umzüge und Darbietungen in historischer Kleidung statt. Den Abend verbrachten wir in  Familien.

Montag, 23.09.: Mit dem Kleinbus fuhren wir nach St. Petersburg, wir besuchten das Russische Museum und die Isaaks-Kathedrale. Nach der Rückfahrt waren wir wieder bei Familien zum Essen eingeladen. Die Gastfreundschaft war beeindruckend. Der Tisch war reich gedeckt, Obst und Gemüse was in den „Datschas“ angepflanzt und geerntet worden. Es gab Fleisch-/Wurst und Fischspezialitäten und zum Verdauen natürlich Wodka. Dazu wurde musiziert, die Kommunikation war unproblematisch, meistens war in den Großfamilien mindestens ein deutsch sprechender Gastgeber dabei.

 Dienstag, 24.09.: An diesem Tag fuhren wir zunächst zu einer orthodoxen Kirche und wurden über die Hilfsbereitschaft der lokalen Bewohner informiert, die selbst den Bau und die Erweiterung des Gebäudes durchführen. Anschließend erreichten wir Siverskaja, eine kleine Gemeinde im Gatschina-Gebiet. Dort besuchten wir 2 Kinderheime von Waisen bzw. lernbehinderten Kindern. Es war beeindruckend, mit welchem Engagement die dortige Rektorin zusammen mit ihren Lehrerinnen die anstehenden Probleme zu lösen versucht. Wir konnten verschiedene Unterrichtsmethoden kennen lernen, das liebevoll eingerichtete Museum und den Wintergarten besuchen und die Kinder beim Schreiben, Sport und Werkunterricht besuchen. Das Mittagessen wurde uns in der Sonderschule serviert.

Nach der Rückfahrt besuchten wir eine Bilderausstellung von Künstlern aus Gatschina. Um 18 Uhr wurden in der Musikschule die Tage der deutschen Kultur festlich eröffnet..

 Mittwoch, 25.09.: Nachdem die ersten 3 Tage sonnig, aber relativ kalt (+2 º) waren, fuhren wir bei Regen mit dem Bus nach Puschkin. Dieser Ort ist sehr gut von Gatschina aus zu erreichen. Beeindruckt waren wir von dem zwischen 1751-1756 von Rastrelli umgebauten, märchenhaften Katharinen- und dem Alexander-Palast, spazierten durch die Parks. Bis 1817 ging Alexander Puschkin hier zur Schule, seinen Namen erhielt die Stadt zum 100. Todestag des Dichters 1937. Am Spätnachmittag fuhren wir wieder bei Sonnenschein zurück nach Gatschina. Dort besuchten wir die Bibliothek in der viele Bücher deutscher Literaturschaffender zu finden sind. Anschließend besuchten wir ein Konzert. Der Bariton Vladimir Vjurov, mit Klavierbegleitung begeisterte uns mit seinen Liedern.

Donnerstag, 26.09.: Am Vormittag ging es nach Pawlowsk. Der Palast und Park gehören zu den vollendetsten Werken in der russischen Architektur und Gartenbaukunst. Hier bot sich auch die Gelegenheit, ein Kinderheim für Schwerstbehinderte zu besuchen.

Am Abend fand in einem Cafe ein Treffen mit der RDG statt. Hier spielte eine Kapelle und wir konnten uns bei Musik, Gesang und Tanz  näher kennen lernen. Der ehemalige Vorsitzende, Herr Protschenko, war anwesend und der Vorsitzende Maier trug mit seiner hervorragenden Tenorstimme zum Gelingen des Abends bei.

Es gab eine Reihe Möglichkeiten, Wünsche und Anregungen für die weitere Zusammenarbeit mit  Personen, Gruppen und Schulen auszutauschen.

Freitag, 27.09.: An diesem Tag besuchten wir den 100 km nordöstlich von Gatschina gelegenen, größten deutschen Soldatenfriedhof in Osteuropa, der im Jahre 2000 eingeweiht wurde. Dieser befindet sich beim Dorf Sologubovka. Eine orthodoxe Kirche, die während der 900 Tage anhaltenden Belagerung Leningrads (St. Peterburg) der deutschen Wehrmacht als Krankenhaus diente, wird derzeit instand gesetzt. Am Abend fuhren wir wieder nach St. Petersburg, diesmal allerdings mit öffentlichem Bus und der Metro, und besuchten das Ballett  „Schwanensee“ im St. Petersburger Musiktheater.

Samstag, 28.09.: Am Vormittag ging es wieder nach St. Petersburg. Heute stand der Besuch des Winterpalastes und der Eremitage-Gebäude auf dem Programm, am Spätnachmittag gab es  ein Jazzkonzert im Jugendzentrum von Gatschina. Am Abend durften wir im Sportzentrum von Gatschina einen typischen, russischen Saunabesuch gemeinsam mit unseren Freunden erleben, in einem Nebenraum war für das leibliche Wohl gesorgt.

Sonntag, 29.09.: Am Vormittag besuchten wir ein Atelier einer der Künstler, wir durften einem orthodoxen Gottesdienst beiwohnen und danach hatten wir einen herrlichen Blick von der Pokrowski Kirche auf die Stadt.

Am Nachmittag waren wir zum festlichen Abschluss der Tage der deutschen Kultur eingeladen. Ein breites Spektrum an künstlerischen Darbietungen wurde geboten: Vom örtlichen Zirkus zeigten 3 Mädchen artistische Einlagen, ein Tanzpaar beherrschte klassische Tänze ebenso wie moderne Einlagen, Solistinnen auf verschiedenen Instrumenten  und Chöre demonstrierten ihr Talent. Ein Jazzchor, der Chor „April“ und der Chor „Harmonie“ unter Leitung von Frau Roganowa beeindruckten uns.

 Montag, 30.09.: Tief bewegt von den Erlebnissen flogen wir nach  Frankfurt zurück

Zum Abschluss des Besuches formulierten beide Seiten den Wunsch, deutsche Kulturtage auch in den kommenden Jahren zu veranstalten. Insbesondere von russischer Seite wurden Wünsche geäußert, die Beziehungen zu festigen und zu erweitern. Die vorhandenem Schulkontakte sollten ausgebaut werden und neue geschaffen werden. Gemeinsame Veranstaltungen von Jugendlichen können in Gatschina und Umgebung arrangiert werden. Beeindruckend ist die Bereitschaft, die deutsche Sprache zu erlernen, in englischer Sprache kann insbesondere mit Jugendlichen in Russland mühelos kommuniziert werden.

Es wurde auf die Hilfe der Bürger Ettlingens und Umgebung sowie der Stadt Ettlingen in den vergangenen 10 Jahren hingewiesen. Ein Krankenwagen aus Ettlingen begegnete „unserem“ Kleinbus (der  noch die Aufschrift VW-Stoppanski  trägt).

Übrigens: St. Petersburg veranstaltet nächstes Jahr seine 300-Jahr Feier, dazu gibt es einige interessante Angebote von Reiseveranstaltern, die Stadt zu besuchen. Auch vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberführsorge gibt es regelmäßig Fahrten nach St. Petersburg, um den Friedhof Sologubovka zu besuchen.

Die offiziellen Feierlichkeiten der Stadt Ettlingen zum 10-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft beginnen am Freitag, 18. 10. mit einer Ausstellung in der Stadthalle. Sie zeigt Bilder, die der deutsche Maler Jürgen Bertelsmann in der Umgebung von Gatschina während seines Kriegseinsatzes († 5/1942) gemalt und gezeichnet hat.