Gatschina wird Regionalhauptstadt

Gebietsregierung zieht von St. Petersburg nach Gatschina. Das Parlament des Leningrader Gebiets hat Gatschina zur Hauptstadt der Region erklärt.
Gatschina ist damit sowohl Hauptstadt des Rayons (Kreis) als auch des Gebiets. Leiter des Gebiets ist der Gouverneur Drozdenko.
Mit fast 100.000 Einwohnern ist Gatschina die größte Stadt des Gebiets. Gatschina liegt knapp 50 km im Süden von St. Petersburg und ist die Partnerstadt von Ettlingen.
Noch im laufenden Jahr soll der Umzug der Gebietsregierung von St. Petersburg nach Gatschina beginnen. 

Im Leningrader Gebiet leben auf einer Fläche von 84.500 km² etwa 1.7 Millionen Menschen. Im Westen grenzt das Gebiet an Estland, im Nordwesten an Finnland. 

Die Stadt St. Petersburg ist eine eigenständige Verwaltungseinheit.
Zum Vergleich: In Baden-Württemberg mit einer Fläche von 35.750 km² leben 11.1 Millionen Menschen.

Seit der Begründung der Partnerschaft mit Гатчина (Gattschina) wurde der Name in der Partnerstadt Ettlingen mit Gatschina wieder gegeben, auch in Anlehnung an die englische Notation Gatchina.

Wie einige sowjetische Städte wurde Gatschina mehrmals umbenannt und hieß von 1923-29 Trotzk, und von 1929-44 Krasnogwardeisk.

Während der deutschen Besatzung vom 13. September 1941 bis 26. Januar 1944 wurden Straßen umbenannt, die Stadt sogar als Lindemannstadt benannt.

 

Enzyklopädie der Russlanddeuten: Informationen über Gatschina

Gatschina ist unsere Heimatstadt, die Stadt in der wir leben und die wir lieben. Gatschina hat eine lange Geschichte. Die Stadt war in Vergangenheit und Gegenwart Austragungsort bedeutender Ereignisse.

1499 wurde Gatschina erstmals erwähnt. An seiner Stelle befand sich damals die Ortschaft Hotschino. Der Ort gehörte ursprünglich zu Nowgorod. Zeitweilig gehörte der Ort ebenso wie das gesamte Ingermanland zu Schweden. Nach dem Nordischen Krieg (1700-1721) fiel es an Russland. Zar Peter l. schenkte es seiner Schwester Nathalia. Katharina II.

Katharina wurde 1729 als Prinzessin Sophia von Anhalt-Zerbst in Stettin geboren und stammt aus dem Geschlecht der Askanier.

1744 traf sie in Sankt Petersburg ein, um den späteren Zaren Peter III. zu ehelichen. Als 15-jährige erlernte sie schnell die russische Sprache und versuchte sich am Hof zu integrieren. Es gelang ihr, die Sympathie des russischen Hofes und des Volkes zu gewinnen. Sie passte sich schnell an die russische Lebensweise und den russisch-orthodoxen Glauben an.

1745 fand ihre Hochzeit statt. Aber ihre Ehe war nicht glücklich, ihr Gatte hatte eine Vorliebe für das Militär und Soldatenspiele. 1754 wurde ihr erster Sohn geboren. Nach dem Tode der Zarin Elisabeth kam ihr Gatte als Peter III. an die Macht, aber seine Staatshandlungen fanden keine Zustimmung.

Durch einen Staatsstreich ging die Macht in ihre Hände über. 1762 wurde sie in der Kasaner Kathedrale zur Alleinherrscherin Russlands erklärt. Peter III. wurde gefangen genommen und ermordet.

Katharina II. schenkte Gatschina große Beachtung.1762 übergab Katharina II. die großen Besitzungen Grigori Grigorjewitsch Orlow, der an der Vorbereitung und Durchführung des Staatsstreichs beteiligt gewesen war. Orlow wurde 1734 als Sohn des Gouverneurs von Nowgorod Weliki geboren. Während des Siebenjährigen Kriegs wurde er verwundet. Als Eskorte Offizier wurde er nach Petersburg geschickt. Hier wurde Katharina auf ihn aufmerksam und erhob ihn zu ihrem Favoriten.

Zusammen mit seinen Brüdern bereitete er den Sturz Peter III. am 9. Juli 1762 vor. 1762 wurde er mit seinen Brüdern in den Grafenstand erhoben. Katharina bedachte ihn mit bedeutenden Schenkungen.

Auf den geschenkten Ländereien ließ Orlow ein Schloss erbauen – ein Riesenschloss mit 600 Zimmern im klassizistischen Stil. Entworfen wurde es von den berühmten Architekten Antonio Rinaldi und Vincento Brenna. Erstmalig in Russland ließ er einen Englischen Garten um das Schloss anlegen.

Graf Orlow schrieb im Dezember 1766 einen Brief an Rousseau . In diesem Brief lud er ihn ein, Gatschina zu besuchen. Er beschreibt sein Schloss und die schöne Landschaft.

Mit Orlow begann die Entstehungsgeschichte des Schlosses und des Parks und die Erschließung des umliegenden Geländes. Das Projekt stellte eine gelungene Verbindung von Elementen eines russischen Landhauses und eines englischen Jagdschlosses dar und verlieh dem Schloss- und Parkkomplex Gatschina seine Einmaligkeit, die ihm unter den Palastbauten rings um Sankt Petersburg eine Sonderstellung einräumt.

Nach dem Tode Graf Orlows kaufte Katharina II. die Ländereien von seinen Erben zurück und schenkte sie mit dem für Graf Orlow erbauten Palast 1783 dem Großfürstenpaar. Vincenzo Brenna wurde mit der Neugestaltung beauftragt. Eine Bibliothek, ein Theater und ein Waffensaal wurden eingerichtet. Schloss und Park wurden zur Zarenresidenz ausgebaut.

Zar Paul I. hat eine wichtige Rolle für die Stadt gespielt. Nach dem Sturz Peters III. lebte er mit seiner Familie im Schloss Gatschina mit eigenem Hofstaat und einer kleinen Armee, einem Geschenk seiner Mutter.

Erlittene Gewalt in seiner Kindheit und die Entfremdung von seiner Mutter machten ihn reizbar und misstrauisch gegen seine Umgebung. Er war von Geburt an am Hofe seiner Großtante, der Zarin Elisabeth Petrowna, erzogen worden.

Er nahm in den neunziger Jahren Veränderungen am Schloss im neoklassizistischen Stil vor und ließ im Park mehrere Brücken und Pavillons erbauen. Bis zu seinem Tode lebte er mit seiner Familie in Gatschina.

Der zweiundvierzigjährige Paul erklärte sich am Todestag Katharinas II. zum Zaren.

Am 11. November 1796 verlieh Paul l. Gatschina Stadtrecht. Laut Erlass wurde am 12. Januar 1797 eine Stadtverwaltung geschaffen, Beamten ernannt und die Bestimmungen für die Tätigkeit der Stadtverwaltung ausgearbeitet. Zu den ersten städtebaulichen Projekten in Gatschina gehörte die Festung Ingerburg.

Besonders zu empfehlen ist der Prioratski-Palast. Das kleine Anwesen, 1798 von Lwow erbaut, erzählt die Geschichte des Malteserordens in Russland. Zar Paul l. war Mitglied dieser in Jerusalem von Kreuzrittern gegründeten Vereinigung. Hier kann der Besucher verschiedene Gebrauchsgegenstände aus den 18. und 19. Jahrhundert betrachten und sich so ein Bild vom Leben der zaristischen Oberschicht machen.

Zu Ende der Regierungszeit Paul l. wurde ein weiterer Gebäudekomplex errichtet, der Privathäuser, Kasernen, eine Schule und das Rathaus umfasste. Gebaut wurde damals auch entlang der Hauptstraße (heute Pr. 25 Ljet Oktjabrja).

Im XVIII, Jahrhundert fanden Stadtwappen in Europa große Verbreitung. Sie wurden durch Peter l. auch in Russland eingeführt. Unter Katharina II. entstanden besonders viele. Paul l. bestätigte in seinem Erlass aus dem Jahre 1798 vier Stadtwappen: das Wappen von Gatschina, Pawlowsk, Odessa und Krementschug.

Nach dem Tode Paul I. Tode kümmerte sie sich weiter um die Wohltätigkeitseinrichtungen und um die soziale Fürsorge. Ihr Gatte übertrug ihr noch zu seinen Lebzeiten das gesamte Bildungs­- und Wohltätigkeitswesen. Hierfür stellte er ihr jährlich eine Million Rubel zur Verfügung. Wohltätigkeitseinrichtungen und gottgefällige Anstalten, sowie Wohnhäuser wurden gebaut. Im Lazarettkomplex wurden Rekonstruktionsarbeiten durchgeführt. Der Grundstein der steinernen Nikolai-Kirche, des Erziehungshauses (ab 1834 Waiseninstitut) und anderer Bauten wurde gelegt. 1802 wurde das Erziehungshaus in Gatschina für uneheliche Kinder von zwei bis zehn Jahren übernommen.

Später wurden nur männliche Vollwaisen aufgenommen. Die Schüler des Erziehungshauses in Gatschina wurden zu Ärzten oder Wundärzten ausgebildet oder konnten Apotheker werden.

Im Erziehungshaus unterrichtete später Uschinski, hier verfasste er seine wissenschaftlichen Beiträge.

In ihrem Testament übertrug Maria Feodorowna die Verantwortung für 39 Lehr- und Wohltätigkeiteeinrichtungen ihren Schwiegertöchtern Zarin Alexandra und Großfürstin Helene.

Maria Feodorowna beschäftigte sich mit Musik, Malerei und Literatur, mit dem Schneiden und Gravieren von Elfenbein und Steinen.

Der einfache, doch vornehme Hof Gatschina entwickelte sich zu einem Treffpunkt für Wissenschaftler und Künstler.

In Gatschina bildete sich ein Literaturkreis, der auch eine Liebhaberbühne unterhielt. Zu Pauls Geburtstag 1787 wurde „Don Carlos“ von Friedrich Schiller aufgeführt. Der russische Dichter Wassili Schukowski war ein gern gesehener Gast.

Auch später lebten in Gatschina bedeutende Dichter und Schriftsteller, wie z.B. Alexander Kuprin. In Gatschina schrieb er sein Werk „Der Graben“ und seine Erzählung „Gambrinus“. Ihn besuchten Alexej Tolstoi und Alexander Grin. Hier wirkten der Maler Karasin und viele andere. Auf alle übte die grüne Stadt Gatschina eine große Anziehungskraft aus.

Von 1796 bis 1917 befassten sich mehrere Generationen der Zarenfamilie mit dem Städtebau in Gatschina, die besten Architekten wurden herangezogen. Berühmte Architekten wie A. Rinaldi, W. Brenna, W.l. Bashenow, u.a. entwarfen Projekte für Gatschina. Im Laufe von mehr als hundert Jahren konnte sich Gatschina, begünstigt vom Zarenhaus, sehr intensiv entfalten.

Ab 1835 wurde der Klassizismus allmählich vom Eklektizismus verdrängt, beim Häuserbau hielt man sich nicht mehr streng an die Musterprojekte, sondern verwendete nur einzelnen Kompositions- oder Schmuckelemente der Projekte.

Um 1850 begann sich die Stadt in östlicher Richtung zu entwickeln, Der Architekt R.l. Kusmin errichtete in der Mitte des großen Platzes die Pauls-Kirche, später wurden rings um die Kirche Holzhäuser errichtet.

Unter Nikolaus l. wurde das Stadtgebiet bedeutend vergrößert. Die Stadt erhielt eine klare Struktur und fest umrissene Grenzen, die sich bis 1917 kaum änderten.

Noch heute ist die Entwicklung des Eisenbahnverkehrs ausschlaggebend für Stadtstruktur und das Weichbild der Stadt. Am 1. Oktober 1853 wurde der Eisenbahnverkehr nach Gatschina auf der Warschauer Linie aufgenommen, am 12. Dezember 1872 auf der Baltischen Linie. Zwei Bahnhofsgebäude – der Warschauer und der Baltische Bahnhof – wurden projektiert und gebaut, weiterhin ein Pavillon in Marienburg. Die gute Verkehrsanbindung und der Wohnkomfort Gatschinas führten dazu, dass hier Ende des XIX. Jahrhunderts eine Vielzahl von Landhäusern, insbesondere von der Intelligenz, gebaut wurden.

Ende des XIX. Jahrhunderts wurde das Territorium der Stadt nach Osten bis an die Warschauer Eisenbahnlinie erweitert und vollständig bebaut.

Im April 1910 wurde mit der Anlage des ersten russischen Flugfelds begonnen -des Flugplatzes Gatschina. Hier wurde die erste Flugschule für die Ausbildung von Militärfliegern eröffnet.

Das XX. Jahrhundert brachte Gatschina bedeutende Veränderungen und Erschütterungen. Mehrere Male änderte die Stadt ihren Namen. 1923 wurde sie in Trotz umbenannt, 1929 in Krasnogwardejsk. 1944 erhielt sie ihren alten Namen zurück. Während des Großen Vaterländischen Kriegs war Gatschina 2 1/2 Jahre von deutschen Truppen besetzt. Die Stadt war zerstört, das Schloss ausgebrannt, der Park durch Kahlschläge und zahlreiche Schützengräben verwüstet, die Parkanlagen selbst vernichtet oder beschädigt.

In den fünfziger Jahren war Gatschina zu einer Provinzstadt geworden, ihr historisches und kulturelles Erbe hatte stark gelitten.

Mehrere Faktoren, nicht zuletzt die günstige Lage der Stadt und das gute Verkehrsnetz, trugen dazu bei, dass Gatschina in den sechziger und siebziger Jahren als wissenschaftliche und industrielle Satellitenstadt Leningrads einen neuen Aufschwung erlebte.

Derzeit wird Gatschina von regulierbaren und spontanen Entwicklungsprozessen erfasst. Diese Prozesse verlaufen bei weitem nicht immer reibungslos für die Unversehrtheit der Kultur- und Kunstdenkmale. Der Einfluss der Großstadt St. Petersburg hat seine positiven und negativen Seiten. Aber auch in diesen komplizierten Zeiten bleibt Gatschina Zentrum der Oblast Leningrad. Seit 1998 nimmt die Stadt am allrussischen Wettbewerb um die „Wohlgeordnetste Stadt in Russland“ teil und gehört immer zu den Preisträgern, 1998 gewann Gatschina ebenso wie im Jahre 1900 bei dem in Paris veranstalteten internationalen Ausscheid den ersten Platz in seiner Kategorie.

Im Juli 2007 beging die Oblast Leningrad feierlich ihr 80. Jubiläum. Gatschina wurde als Austragungsort der Feierlichkeiten gewählt. In der Stadt wurde Großartiges zur Verschönerung und zum Schmuck der Stadt, zu ihrer Begrünung und Aufrechterhaltung der Ordnung getan.

 

Badisch-württembergisch-russische Herrscherinnen zwischen Aufklärung und Wohltätigkeit

1776 heiratete die Prinzessin Sophie Dorothea von Württemberg den russischen Großfürsten und späteren Zaren Paul I. Als Großfürstin und Zarin von Russland Maria Feodorowna und als Mutter der späteren Zaren Alexander I. und Nikolaus I., hinterließ sie Spuren sowohl in Russland als auch in Württemberg. Ihr Schloss Gatschina entwickelte sich zu einem Treffpunkt der Gelehrten und Künstler. Der spätere Hofhistoriker Nikolai Karamzin, der erste einflussreiche russische Autor der im Westen durch Übersetzungen bekannt wurde, hielt sich ebenfalls dort auf. Als Mitglied der Moskauer Rosenkreuzer korrespondierte er mit Wieland und sorgte dafür, dass dessen Werke in Russland bekannt wurden. Graf Nikolai Scheremetjew, ein ehemaliger Schüler der Hohen Carlsschule in Stuttgart und Freund Schillers, wurde später Direktor des Kaiserlichen Theaters in St. Petersburg. Ihm ist es zu verdanken, dass Schillers Dramen dort gespielt wurden. In all ihren Schlössern hatte Maria Feodorowna Werke von württembergischen Künstlern: Scheffauer, Dannecker, Gambs. Als Zarin erhielt Maria Feodorowna eine Million Rubel die sie für soziale Zwecke ausgab. Sie beteiligte sich am Aufbau von Bildungseinrichtungen und Armenfürsorgeanstalten, zum Zeitpunkt ihres Todes gab es 39 solcher Einrichtungen. Auf ihrem Schloss in Pawlowsk lassen sich zahlreiche Parallelen zu ihrer alten Heimat Mömpelgard und Württemberg feststellen. Während eines Besuches in Stuttgart 1818 bei ihrer Tochter Katharina Pawlowna, Königin von Württemberg, spendete sie 350 Dukaten und stellte 2.000 Rubel als Jahresbeitrag für den württembergischen Wohltätigkeitsverein zur Verfügung. Ihre Arbeit wurde in Württemberg von ihrer Tochter Katharina (Katharinenstift, Katharinenhospital, Hohenheim, Sparkasse), ihrer Enkelin Olga, Großfürstin und Königin von Württemberg (Olgahospital, Karl-Olga-Krankenhaus), deren Nichte Vera (Veraheime), in Russland von ihren Schwiegertöchtern Luise von Baden/Zarin Elisabeth Alexejewna und Charlotte von Württemberg/Großfürstin Helene Pawlowna fortgeführt. Ziel des Projektes ist es, die Zeichen der Aufklärung und Wohltätigkeit in Russland und Baden-Württemberg zu dokumentieren, zunächst soll mit dem Baustein „Sophie Dorothea/Maria Feodorowna“ begonnen werden.

Projektleitung und Ansprechpartnerin: Dr. Annemarie Röder

Katharina die Große – Zarin von Russland

Geboren wurde sie als Prinzessin Sophie Auguste Friederike am 02.05.1729 im damals preußischen Stettin als erste Tochter des Fürsten Christian August von Anhalt-Zerbst-Dornburg und dessen Gattin Johanna Elisabeth, geborene Prinzessin von Hostein-Gottorp.

1742 zog die Fürstenfamilie von Stettin in das Zerbster Schloss. Dort lebte die Prinzessin Sophie bis Anfang 1744. Im Januar 1744 reiste sie mit ihrer Mutter auf Einladung der russischen Zarin Elisabeth Petrowna an den Zarenhof . Die Prinzessin von Anhalt-Zerbst war als Braut für den Thronfolger Russlands, für den Großfürsten Peter Fjodorowitsch, favorisiert worden.

In Russland erlernte sie die russische Sprache und konvertierte zum russisch-orthodoxen Glauben. Danach wurde offizielle Verlobung mit dem Großfürsten bekannt gegeben und aus der Prinzessin von Anhalt-Zerbst-Dornburg wurde Ihre Kaiserliche Hoheit die Großfürstin Katharina Alexejewna von Russland. 1754 gebar sie einen Sohn, den Großfürsten Paul Petrowitsch.

1762 verstarb die Zarin Elisabeth Petrowna und der Großfürst Peter Fjodorowitsch bestieg als Zar Peter III. den russischen Thron. Peter III. regierte nur sechs Monate, da seine Amtshandlungen, z. B. Friedensverträge mit Preußen und Säkularisierung der Güter der russischen Kirche sowie Bevorzugung deutscher Militärs in der russischen Armee, nicht von allen führenden Staatsmännern Russlands gebilligt wurden.

Im Juni 1762 stürzte Katharina Alexejewna mit Hilfe der Gebrüder Orlow und anderer russischer Staatsmänner ihren Gatten und ließ sich als Zarin Katharina II. von Russland krönen.

Alexander Sergejewitsch Puschkin bezeichnete die Politik des Zaren Peter I., insbesondere den Bau von St. Petersburg, als Öffnen eines Fensters Russlands nach Europa, Katharina II. dagegen stieß für Russland die Türen nach Europa auf.

Katharina II. versuchte zum Nutzen Russlands Reformen auf verschiedenen Gebieten durchzuführen. Sie förderte die Weiterentwicklung von Kunst, Kultur und Wissenschaft, organisierte die Besiedlung und Urbarmachung des russischen Südens, indem sie Einwanderer aus Deutschland und anderen europäischen Ländern anwerben ließ. Außenpolitisch war ihr Handeln darauf gerichtet, dass die anderen Staaten Europas in Russland eine Großmacht sehen sollten, die man im internationalen Maßstab unterschätzen sollte. Schon 1766 schrieb Katharina II. in ihrer politischen Schrift Instruction für die zu Verfertigung des Entwurfs zu einem neuen Gesetzbuche verordnete Commission :„ Russland ist eine europäische Macht„. Innerpolitische Reformversuche glückten ihr nicht immer mit der erforderlichen Konsequenz, da die Interessen des russischen Adels, der wichtigsten Machtstütze Katharinas II., mit denen der Zarin nicht immer zusammengingen. So gab es im reiche Katharinas auch Unruhen , z.B. unter den Bauern, die die aufgeklärte Zarin mit repressiven Maßnahmen beantworten musste. Zarin Katharina II. regierte das riesige Russische Reich 34 Jahre lang, setzte die Politik Peter des Großen fort bzw. erneuerte diese selbstständig auf weiterentwickeltem Niveau . Man kann sagen, dass Katharina II. die Europäisierung Russlands vervollkommnete.

Literaturempfehlungen:

Claus Scharf: Katharina II., Deutschland und die Deutschen. Verlag Ph. v. Zabern, Mainz, 1995

Memoiren Katharina II., Bd.1 u.2, Leipzig, 1990

Isabel de Madariaga: Katharina die Große – ein Zeitgemälde. Berlin, 1993

© Annegret Mainzer